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Gps-Empfaenger


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Gast_Pferdestehler_*

Gast_Pferdestehler_*
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Geschrieben 03 Mai 2006 - 19:47

Da ich täglich beruflich als Entwickler mit GPS-Empfängern zu tun habe, speziell in der Programmierung von Embedded-Anwendungen mit GPS-Datenverarbeitung, will ich hier mal ein paar interessante Informationen zusammenstellen. Reinweg aus der Praxis. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und/oder der Weisheit letzter Schluß. Wer Fehler findet, möge sie bitte melden, auf daß sie korrigiert werden.

Geschichte

1973 - Start des Programms ausgehend vom US-amerikanischen Militär
1978 - Erster Satellit im Orbit
1993 - Feststellung der ersten Funktionsbereitschaft mit 24 funktionsfähigen Satelliten
1995 - Volle Funktionsbereitschaft
2000 - Abschaltung der Selective Availability durch die Clinton-Administration, damit erheblich erhöhte Genauigkeit für zivile Nutzer
2005 - Erster modifizierter Satellit der zweiten Generation im Orbit, bessere Antennen, zweite Zivilfrequenz

Status 05/2006

Insgesamt befinden sich 29 einsatzbereite Satelliten in Orbits.
Flughöhe rund 20.200 Kilometer über Grund. Umlaufzeit knapp 12 Stunden.

Genauigkeit Positionsbestimmung*

Zivil (SPS): ursprünglich 100m bei 95% der Messungen, seit 2000 nur noch 15m bei 95% der Messungen
Militär (PPS): ursprünglich 22m bei 95% der Messungen, aktuell nicht bekannt

Bei Nutzung von verfügbaren Korrektursignalen (DGPS, erdgestützte Sender zumeist an Küsten, geostationäre Satelliten wie Inmarsat -> WAAS, EGNOS) kann die Genauigkeit zwischen 0.5 und 5 Meter betragen. Hierbei werden Referenzmessungen von Bodenstationen mit exakt vermessenen Koordinaten benutzt, um Fehler in den Satellitensignalen zu quantifizieren. Auch Effekte durch die Atmosphäre gehen mit in diese Messungen ein. Die aus diesen Messungen gewonnenen Korrekturen werden den Empfängern über eigene Sendekanäle mitgeteilt, so daß diese dann die Korrekturen an ihren eigenen Meßwerten nachvollziehen können, worauf sich die Genauigkeit um ein deutliches Maß verbessert.

Bei mindestens drei auswertbaren Satelliten kann ein sogenannter 2D-Fix ermittelt werden, welcher eine Position auf der Erdoberfläche beschreibt, ohne Höheninformation. Bei mindestens vier auswertbaren Satelliten ist ein 3D-Fix bestimmbar, welcher dann auch die Höheninformationen enthält.

Die Höheninformationen sind einer höheren Ungenauigkeit unterworfen als die horizontalen Komponenten Längen- und Breitengrad.

Die Satellitenbahnen haben einen Winkel von 55° gegenüber der Erdachse und sind am Äquator um 60° gegeneinander versetzt. Somit existieren 6 Gruppen von Umlaufbahnen à mindestens 4 Satelliten (genannt Block / Slot). Das bedeutet aber, daß kein Satellit die Polkappen jemals erreicht, bei 55° nördlicher oder südlicher Breite gelangen Satelliten gerade noch vereinzelt in den Zenit. Dies bedeutet auch, daß weit nördlich oder südlich vom Äquator die Genauigkeit des gemessenen Breitengrads erheblich schlechter ist als die des Längengrads, was man geometrisch leicht nachweisen kann. Ausgedrückt wird dies durch einheitenlose Größen:

HDOP - horizontal dillution of precision (Fehler des Längengrads)
VDOP - vertical dillution of precision (Fehler des Breitengrads)
PDOP - position dillution of precision (Gesamtfehler)

Diese Werte verhalten sich umgekehrt proportional zum Raum, der zwischen den ausgewerteten Satelliten und des Meßpunktes aufgespannt wird, zumeist ein Tetraeder oder eine Pyramide. Sind die Satelliten sehr dicht beieinander, so ergibt sich ein großer DOP und damit ein großer Fehler, stehen die Satelliten in rund 120° zueinander, so minimiert sich der Fehler und damit DOP.

Die DOP-Werte werden von GPS-Empfängern berechnet und neben vielen anderen Daten ausgegeben. Sie dienen zur Einschätzung der Verlässlichkeit der Messung, wenn man keinen Skyplot zur Verfügung hat.

Da vom Konzept her niemals mehr als 12 Satelliten gleichzeitig in der sichtbaren Hemisphere vorhanden sein können, machen Empfänger mit mehr als 12 Kanälen (Korrelatoren) keinen Sinn. 16, 20, 24 oder 32 Kanäle sind ein reines Werbeargument ohne konkrete Anwendung. Unnötige Hardware gegen Geld. Lediglich bei DGPS via Satellit kann man wohlwollend noch einen Kanal hinzurechnen, so daß man theoretisch auf 12 + 1 Kanäle käme. Aber in der Realität werden eh mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals alle 12 Satelliten in eine Positionslösung einfließen. Vier Satelliten reichen wie erwähnt für den 3D-Fix, ein paar mehr als Futter für den Kalman-Filter und man hat bereits eine Position, die kaum genauer hinzubekommen ist, jeder Gewinn wird durch größere systembedingte Fehler komplett überschattet. Bei den Werbeaussagen mancher Anbieter, speziell für GPS-Mäuse in Online-Auktionen, könnte man auf den Gedanken kommen, die Satellitensignale krümmen sich und gehen um die Erdkrümmung herum. Genaugenommen sieht man sogar nicht einmal die halbe Hemisphere, da die Erde nicht ein Punkt ist, sondern eben sehr "dick" mit rund 12.000 Kilometern im Durchmesser. Da bleibt eine rund 6.000 Kilometer dicke unsichtbare Scheibe über, ähnlich einer Ananasscheibe, wo sich diverse Satelliten aufhalten können. Die Erfahrung zeigt: 5-8 sichtbare Satelliten mit hohem Signalpegel sind schon phantastisch. An der Küste können es auch mal 10 bis 12 sein. Wesentlich besser wird die Messung dadurch nicht!

Genauigkeit Bewegungsgeschwindigkeit über Grund

Die Geschwindigkeitsmessung ist im Idealfall* genauer als 0.05m/s, also besser als 0.18km/h(!!!) und unabhängig von Selective Availability und DGPS. Voraussetzung ist aber eine während der Messung kontinuierliche Bewegung. Zeitweise können einzelne Meßwerte oder Meßwertgruppen Positionsfehler im Kilometerbereich aufweisen. Diese Effekte halten meist nur wenige Sekunden bis Minuten an und verschwinden dann wieder, die Ursache ist mir nicht bekannt. In solchen Fällen können spontane nicht reale "Sprunggeschwindigkeiten" von 500km/h und mehr auftreten, auf die sich die oben genannte Genauigkeit nicht bezieht.

* bei optimalen Voraussetzungen, kein Satellit ist von Bauwerken, Bäumen, Bergen etc. verdeckt, direkte Sichtverbindung besteht

GPS-Zeit

Die Atomuhren an Bord der Satelliten wurden am 6. Januar 1980 gestellt und niemals mehr nachgestellt. Somit fehlen seitdem sämtliche Schaltsekunden. Daher gehen die Sekunden um 14 Sekunden vor. Die Zeit wird aber von einigen GPS-Empfangsgeräten für Endanwender entsprechend gerade gebogen.
Die Zeitangabe ist generell UTC, was im Moment (Deutsche Sommerzeit) 2 Stunden nachgehen bedeutet. Ist in MESZ 21:00:00, dann ist UTC 19:00:14. Aber das atomzeitgenau.

Nützliche und informative Links

KOWOMA.DE
für mich die beste deutschsprachige Information im Netz zum Thema GPS, sehr umfassend und fundiert

NAVSTAR GPS Operations (US Department of Defense)
englischsprachig, US-Militär

NAVSTAR GPS Joint Program Office (Department of Defense)
englischsprachig, US-Militär

Zeitbasen im Vergleich
(Schaltsekunden, UTC, GPS, Loran-C, local time...)

Für tiefschürfende technische Detailbeschreibungen bitte ich oben genannte Links anzuspringen. Hier will ich nur eine simplifizierte Prinzipbeschreibung liefern.

Funktionsprinzip

Jeder Satellit enthält eine Cäsium- oder Rubidium-Atomuhr. Die Uhren der Satelliten sind untereinander abgestimmt, daß heißt Gangabweichungen sind (dem Empfänger) bekannt. Die Satelliten strahlen nun jeder eine Art sehr "leisen" Fingerabdruck aus (Pseudozufallscode, 1023 Bit). Diese Fingerabdrücke werden vom GPS-Empfänger "gehört" und verglichen. Anhand der Laufzeiten und somit Abständen zu den Satelliten kann der GPS-Empfänger seine Position errechnen, vorausgesetzt die Positionen der Satelliten sind dem Empfänger sehr genau bekannt (Stichworte Almanach und Ephimeriden).

Übrigens sind die Signale so gering im Pegel, daß sie weit unter dem natürlichem Umgebungsrauschen liegen. Sie können allerdings anhand des bekannten Fingerabdrucks (pseude random code) mittels Korrelatoren gefunden werden. Die Sendefrequenz für den Zivilbereich liegt auf 1575,42MHz.

Sieht der Empfänger zwei Satelliten, so gibt es theoretisch zwei Punkte auf der Erde (gegenüberliegend), die eine Positionslösung ergeben können. An beiden Punkten stimmen die Abstände zu den Satelliten überein. Um also die tatsächliche Position eindeutig zu bestimmten, wird ein dritter Satellit benötigt. Mit Hilfe dieses dritten Abstandes ist die Lösung eindeutig, man erhält den 2D-Fix. Nur ein Punkt auf der Erde kann unter Beachtung der drei Abstände nämlich noch der richtige sein, vorausgesetzt man weiß die eigene Höhe über dem Erdmittelpunkt. Die Höheninformation fehlt dabei aber immer noch, denn theoretisch existiert zu dem Punkt auf der Erdoberfläche noch ein zweiter Punkt senkrecht in etlichen 1000 Kilometern Höhe im Weltraum, für den die Lösung der drei Satelliten ebenfalls stimmt. Um nun also die Höhe ebenfalls eindeutig bestimmen zu können und sich von der Beschränkung "Erdoberfläche" zu lösen, braucht es den vierten Satelliten. Die so gefundene Lösung ist dann der ominöse 3D-Fix.
Über den jeweiligen "Extrasatelliten" werden übrigens auch Gangfehler des Empfängers gegenüber den Atomuhren in den Satelliten vollkommen eliminiert (Stichwort Pseudoranges). Immerhin ist da nur eine Quarzuhr drin, eine Atomuhr wäre ohnehin zu teuer und zu voluminös, um sie mit in die Pampa zu tragen.

Typen von marktüblichen GPS-Empfängern

- GPS-Module (elektronisches Bauteil, Gerätekomponente)

Größe kleiner 25x25x5 Millimeter³
Basis jeder GPS-Maus für den Computer, jedes Navigationsgerätes für Handbetrieb, Auto, Flugzeug etc...
Versorgung 3.3 - 5V, maximal 30mA
Anschluß für passiver oder aktiver Patch- oder Helixantenne
Ausgang seriell ähnlich RS232C, auf TTL-Pegel
Protokoll NMEA0183 oder/und SiRF binary
Preis: um die 20 Euro in großen Stückzahlen

[attachment=9812:attachment]

- GPS-Empfänger (portables Gerät)

Handgerät, batteriebetrieben
Versorgung 3 - 24V, Größenordnung 100mA
Eingebaute Antenne
Häufig Anschluß für externe aktive Antenne
Häufig RS-232C-Schnittstelle mit NMEA-Datenprotokoll 4800Bd
Häufig mit Straßennavigationsfunktionen
Monochrom- oder Farbdisplay
Tastatur
Preis: ab 100 Euro, nach oben fast offen
[attachment=9813:attachment]

- Navigationsgerät (Festeinbau)

Für Festeinbau in Fahrzeugen
Versorgung 12 - 24V, Größenordnung 2A
Externe Aktivantenne
Häufig in Multimediagerät integriert
Immer mit Straßennavigationsfunktionen
Monochrom- oder Farbdisplay
Tastatur
CD- oder DVD-Laufwerk
Preis: ab 200 Euro, nach oben ziemlich offen
[attachment=9814:attachment]

Positionsmessung - Auswertung am PC über 24 Stunden Meßdauer

Hier sieht man, wie über 24 Stunden die Empfangsposition trotz stehendem Empfänger gewandert ist. Horizontal wie vertikal halten sich alle Werte in einem Fenster von gut 6400m² (Kreis mit Durchmesser ~90m) auf. Das Meiste spielt sich aber im inneren Bereich ab, man erkennt recht gut, daß Statistik im Bereich GPS eine sehr große Rolle spielt:

Standardabweichung Längengrad: 4.0m
Standardabweichung Breitengrad: 5.4m
Standardabweichung Höhe (nicht dargestellt): 8.3m
jeweils bezüglich Durchschnitt aller Werte von 20.500 Positions- und 25.000 Höhenmessungen.

[attachment=9815:attachment]

Satellitenbahnen am Himmel - Auswertung am PC über 24 Stunden Meßdauer

Da die Antenne auf der Fensterbank liegt, ist der Empfang eher mäßig, die halbe Hemisphere abgedeckt. Aber dennoch brauchbar. Die grünen Linien sind die Bahnen, die die jeweiligen Satelliten in 24 Stunden abgelaufen sind. die blaue Spur ist die Sichtgrenze, die die Software in der Historie aller Messungen ermitteln konnte. Innerhalb sind Satelliten sichtbar, außerhalb keine. Das "Loch" im oberen Bereich ist der Bereich um den Nordpol herum, wo sich kein Satellit aufhalten kann, aufgrund der erwähnten Bahnneigung von 55°.

[attachment=9816:attachment]

Anzeige eines GPS-Handgerätes mit EGNOS-DGPS-Empfang

Hier erkennt man, was einem ain brauchbares Handgerät mit nur wenigen Satelliten bereits für eine Genauigkeit liefern kann. Die 3m sind für 100% Trefferquote der Position noch mit dem Faktor 2.5 zu beaufschlagen, und dennoch ist es sehr genau. Die "D"-Buchstaben in einigen Satellitenpegelbalken heißen, daß über den EGNOS-Satelliten PRN33 die Bahndaten sehr genau korrigiert werden konnten. Differential-GPS eben. Hilfssignale über einen Inmarsat-Satelliten (eigentlich für Telefonie) werden mit ausgewertet, die Genauigkeit nochmals deutlich erhöht.

[attachment=9817:attachment]

Auch als Datenlogger eignet sich solch ein Gerät: Entfernungen, Positionen, Geschwindigkeiten und vieles andere einfach "mitschreiben", während man unterwegs ist.

[attachment=9818:attachment]

Trends

Im Moment wird gerade eine neue Generation von GPS-Chipsätzen in den Markt eingeführt: SiRFstar III. Dieser Chipsatz ist fähig, noch bei -159dBm einen Fix zu halten, was erheblich empfindlicher ist als die bisher marktüblichen Empfängerschaltkreise. Dies führt dazu, das noch in bisher sehr empfangskritischen Situationen (Wald, Häuserschluchten, in Räumen) ein guter und stabiler Empfang möglich ist. Dies wird durch das Schlagwort "Indoor-GPS" ausgedrückt.
Meine Versuche ergaben in einem Metallgebäude im Abstand von 3 Metern vom nächsten Fenster noch unter einem Metallteller einen brauchbaren Fix. Herkömmliche Chips gaben bereits in einem Meter Abstand vom Fenster ohne Deckelung keinen Fix mehr her.
Diese Revolution wird weitergehen. Heute Empfang in Tiefgaragen, morgen vielleicht unter der Erde ohne Fensterschächte? Mal sehen.


Bei Bedarf wir das hier ergänzt...

#2 Gast_Pferdestehler_*

Gast_Pferdestehler_*
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Geschrieben 05 Mai 2006 - 16:17

Vergleich zweier GPS-Handheld-Geräte

Zur Verdeutlichung des Unterschieds der Empfindlichkeit SiRFstar III zu nicht SiRFstar III.

Getestete Geräte:

Garmin GPSmap76CS (Garmin Chipsatz), Firmware 4.10, Preis 05/2005: 499 Euro über ebay (Importgerät mit amerikanischer Basemap)
Garmin GPSmap60CSx (SiRF SiRFstar III Chipsatz), Firmware 2.60, Preis 04/2006: 499 Euro über ebay (Importgerät mit amerikanischer Basemap)

Testaufbau:
[attachment=9837:attachment]

1) Betrieb in Garten, Wohnbebauung mit Ein- bis Zweifamilienhäusern, mittlerer Baumbewuchs, dennoch gute Rundumsicht, speziell Richtung südliche Hemisphere. Position 2 Meter über Rasen.

[attachment=9841:attachment]
GPSmap76CS

[attachment=9840:attachment]
GPSmap60CSx (ssIII)

2) Position um ein paar Meter versetzt, um besseren Blick nach Süden zu bekommen.

[attachment=9842:attachment]
GPSmap76CS

[attachment=9843:attachment]
GPSmap60CSx (ssIII)

Das Modell mit SiRFstar III bekommt sogar einen sauberen Empfang von PRN33 (Inmarsat, EGNOS Testbench) und hat damit DGPS-Genauigkeit. Es sieht mehr Satelliten als das Modell ohne SiRFstar III.

3) Gleiche Position wie 2), lediglich direkt über dem Boden.

[attachment=9844:attachment]
GPSmap76CS

[attachment=9845:attachment]
GPSmap60CSx (ssIII)

Die Unterschiede werden immer deutlicher zugunsten des SiRFstar III Modells, es schafft bereits hier noch einen DGPS-Empfang mit PRN33.

4) Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Die Geräte wurden mit in's Haus genommen. Obergeschoß, Ziegeldach mit Holzbalkenkonstruktion, Putzdecke.

[attachment=9846:attachment]
GPSmap76CS

[attachment=9847:attachment]
GPSmap60CSx (ssIII)

Der GPSmap76CS bekommt das nicht mehr gebacken, während der GPSmap60CSx einen sehr guten Positionsfix ermitteln kann.

5) Ich machte etwas, was bisher mit dem "alten" GPSmap76CS einfach nicht ging: ich schnallte das "neue" GPSmap60CSx mittels Gürtelclip an meine Hose, also direkt an den Körper, und fuhr los, meine Tochter von einer Freundin abholen.
Frappierendes Ergebnis: Im Auto, tief auf Sitzflächenniveau, hatte das Gerät einen DGPS-Empfang und loggte die komplette Fahrt mit. Und nicht nur das. Ich ging dann in den mehrgeschössige Reihen-Altbau, in den dritten Stock, in die Wohnung, mitten drin im Haus, mehrere Meter von wenigen Fenstern entfernt. Das Gerät protokollierte auch das noch mit, allerdings mit einer erhöhten Positionsstreuung. Aber immerhin bricht die Positionserfassung nicht ab. Das "alte" Gerät hätte schon an der Tür schlapp gemacht.

Meine Schlußfolgerung bis hier

Navigationssysteme mit SiRFstar III Chipsatz sind ein Quantensprung in der Empfindlichkeit dieser Geräte. Niemals zuvor konnte unter derart widrigen Umständen noch eine Position ermittelt werden. Ich sehe mich noch am Schleizer Dreieck die Rennstrecke mit Kaimann ablaufen, das Navigationsgerät schön vom Körper weg in die Luft haltend, um ja saubere Positionen zu bekommen. Das alles kann ich in Zukunft vergessen. Einfach den Empfänger irgendwo am Körper plazieren, zum Beispiel in die Innentasche der Jacke stecken, und nicht weiter darum kümmern. Die Strecke wird genau aufgezeichnet, ohne Lücken.
Oder im Auto, wenn die Scheiben bedampft sind, normalerweise geht da ohne Außenantenne nichts mehr. War im Speedster ein großes Problem, die Frontscheibe läßt kaum was durch. Da war unten auf dem Beifahrersitz noch mehr zu empfangen. Mit der neuen Gerätegeneration legt man das Gerät einfach irgendwo in's Fahrzeug, ob Dach darüber oder nicht. Es funktioniert einfach.
So habe ich mir GPS-Empfänger immer gewünscht. Jetzt gibt es sie zu kaufen. Für mich: nie mehr mit weniger zufrieden geben.

Probleme mit dem neuen GPSmap60CSx

So ganz kritikfrei bleibt das Gejubel hier aber nicht:

- Das Gerät verträgt sich nicht mit 1GB Transflash Karten von SanDisk, Typ Ultra II, SDSDQU-1024-E10M. Ein Beschreiben dieser Karte im Gerät führt zu einer Zerstörung der Flash-Karte. Die mitgelieferter SanDisk 64MB (nicht Ultra II) funktioniert tadellos. Selbst eine 1GB (nicht Ultra II) soll nach Angaben in anderen Foren tadellos funktionieren. Die Probleme treten wohl nur mit exakt der oben erwähnten Karte auf. Hat ich mal eben 60 Euro gekostet, die nagelneue Karte bei der ersten Nutzung durch den Schornstein geschickt.

- Die Firmware des Gerätes (2.60) ist noch als äußerst instabil zu bezeichnen, zeigt vielfältige Ausfälle und Ungereimtheiten, da wird Garmin sicher nochmal kräftig nachlegen, aber bezüglich Firmwareupdates ist Garmin doch recht vorbildlich gewesen bisher. So hoffe ich auch hier mittelfristig auf starke Korrekturen. Mein "altes" 76CS (4.10) läuft hingegen nahezu fehlerfrei und annähernd perfekt.

Meine Empfehlung

Wer jetzt eine GPS-Maus, einen PDA mit Navigation, ein Handheld-GPS oder ähnliches anschaffen will, sollte unbedingt darauf achten, daß SiRFstar III Chipsatz drin ist. Momentan gibt es nichts annähernd gutes von der Konkurrenz. Und viel teurer als die Konkurrenz darf das auch nicht sein, entsprechende GPS-Module kosten in der Industrie bereits 25 Euro und weniger.

#3 Gast_Pferdestehler_*

Gast_Pferdestehler_*
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Geschrieben 10 Mai 2006 - 18:57

Update:

Nachdem die ersten Versuche diverse Merkwürdigkeiten in den Funktionen des GPSmap60CSX zu Tage förderten, brachte Garmin heute früh eine neue Firmware heraus. Diese behob den Mangel der zeitweise austickenden Höhenkalibrierung.

Weitere Features:
- Im Gegensatz zur 2.62beta ist die Möglichkeit (temporär) wieder entfallen, Trackdaten auf die Flashkarte abzulegen.
- Bei Vorliegen von EGNOS-Korrekturdaten wird der entsprechende Satellit (momentan PRN120/GID33) ausgefüllt dargestellt, nicht mehr hohl.
- Die Höhendaten schwanken um rund 30m, wenn das Gerät einfach nur rumliegt. Das scheint mir ein wenig viel, kommt eindeutig von der Autokalibrierung mittels GPS-Positionen.

Garmin hat nach eigener Aussage im Moment noch die eine oder andere Hürde zu nehmen in der Zusammenarbeit ihrer Firmware mit dem neuen SiRFstar III Chipsatz. Die nächsten Wochen bringen da noch weitere Verbesserungen. Wobei die Höhenkorrektur heute ein großer Schritt war..

Weiterhin fällt auf:
- Mit 2000mAh-NiMH-Akkus ist kaum mehr Laufzeit als 8 Stunden drin. Das ist erheblich zu wenig, aber wohl kaum zu vermeiden.

Hier noch ein paar Bilder:

[attachment=9867:attachment] [attachment=9868:attachment]
Outdoorempfang, Vergleich der beiden Geräte

[attachment=9869:attachment]
Indoorempfang direkt am Fenster mit Sicht Richtung Süden mit Bäumen und Häusern im Sichtweg, Vergleich der beiden Geräte

Und wieder erkennt man, wie gnadenlos die herkömmliche Technik gegen SiRFstar III zu Boden geht. Wer einen guten Empfänger will, kommt momentan nicht um diesen revolutionären Chipsatz herum.

#4 Gast_Pferdestehler_*

Gast_Pferdestehler_*
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Geschrieben 15 Mai 2006 - 17:51

Trackaufzeichnung

Hier mal ein Track, welchen Kaimann in seinem Rennwagen letztes Jahr in Schleiz aufgezeichnet hat. Ich hatte mein GPSmap76CS in seinem Seven deponiert, zur Sicherheit eine externe Antenne am Überrollbügel verklebt. Da aus urheberrechtlichen Gründen die Kartendaten hier nicht wiedergegeben werden dürfen, beschränke ich mich auf die eigentliche Spur, passend auf das Neue Schleizer Dreieck zwischen Schleiz (nord/nordwestlich gelegen) und Oberböhmsdorf (östlich gelegen, Fahrerlager). Die Geschwindigkeiten beim Messen dieser Punkte betrugen bis zu 160km/h. Der Track kann ohne Umwege in Satellitenkarten innerhalb Google Earth angezeigt werden, inklusive der Höheninformationen.

[attachment=9912:attachment]
Die Rennstrecke aufgezeichnet.

[attachment=9913:attachment]
Die Höheninformationen.

Im letzten Plot erkennt man mehrere interessante Informationen:
- Die Rennstrecke schwankt insgesamt um rund 60 Höhenmeter auf knapp 4km. Daher werden dort traditionell auch Bergrennen gefahren.
- Man erkennt das Streckenprofil.
- Man erkennt die Rundenzahl (nämlich 9) anhand der gleichförmigen Schwankungen.

#5 Gast_Pferdestehler_*

Gast_Pferdestehler_*
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Geschrieben 23 März 2007 - 22:50

Heute habe ich die Unit-Firmware für mein Garmin GPSmap 60CSx auf die neue Version 3.20 geupdatet.

Und OH WUNDER, auf einmal gibt es ein Feature, daß ich vor wenigen Monaten per E-Mail-Kontakt an den US-amerikanischen Garmin-Support als dringend einzupflegen angemeldet hatte:

Address issue where custom POI finder would erroneously produce no results.


Das Problem war nämlich bisher:

Ich hatte mir von scdb.info die europäischen POIs für Speedcameras in die Unit geladen und diese wurden auch hervorragend angezeigt, sobald man sich einer Meßstelle nähert. Nur leider war dieser Proximity Alert mit einem im Fahrzeug nicht hörbar leisen Standard-Piepston gekoppelt. Also wenn man die Unit nicht absolut gut beleuchtet im Auge hatte und das jederzeit, war es mehr als wahrscheinlich, daß man den roten Warnbildschirm einfach nicht bemerkt, weil der akustische Alarm im Fahrgeräusch nicht wahrnehmbar ist.
Ich hatte also letzten Herbst an den Support geschrieben, daß die Geräte wunderbar nutzbar wären, wenn dann der Warnton für die Alarme konfigurierbar wäre. Der mir antwortende Support-Mitarbeiter sagte zu, daß er das Problem weiterleiten werde.

Jetzt sind auch die Annäherungsalarm-Warntöne voll konfigurierbar und damit so laut programmierbar, daß man diese bei voller Fahrt auch hört.

Klasse, so soll das sein! Garmin, ich danke Dir!

Jetzt lohnen sich die 9.95 Euro pro Jahr für scdb.info noch mehr. :rolleyes: